Wir schreiben das Jahr 2005. Tausende Abenteurer spielen gleichzeitig ein Rollenspiel in derselben Welt. Das wahrscheinlich größte und erfolgreichste MMORPG feiert seinen Release in Europa: „World of Warcraft“. Es folgten Jahre von epischen Schlachten zwischen der Allianz und der Horde um die Vorherrschaft von Azeroth.
21 Jahre später erfreut sich World of Warcraft immer noch großer Beliebtheit. Mittlerweile gibt es elf Erweiterungen für das Hauptspiel und bereits eine Variante namens Classic, die das Erlebnis von 2005 zurückholen sollte. Jetzt kündigte Activision Blizzard eine dritte Variante an: World of Warcraft: Forever. Die klassische Welt, neue Quests, Dungeons und Loot, aber nicht höher als Level 60. Das Spiel verspricht eine horizontale Erweiterung, statt alle paar Jahre höhere Level und neue Ausrüstung, die die harte Arbeit direkt obsolet macht.
In Europa startet WoW: Forever am 5. November 2026 und damit beginnt die Rückkehr in das Azeroth, in dem für viele ein riesiges Abenteuer begann.
Ein WoW-Neuling, ein Zeitstrahl und eine Entdeckung
Ich bin MMO-Veteran, aber in Azeroth ein Neuling. Seit ich einen PC besitze, spiele ich Online-Rollenspiele. World of Warcraft lief immer im Augenwinkel mit, hat mich aber nie so weit eingeholt, dass ich nach Azeroth gezogen wäre.
Nach der Ankündigung von Forever habe ich mir kurzentschlossen einen Key für die Beta gekauft und bin gerade mittendrin. Mein Zwischenfazit: schlichtweg begeistert. Eine Rezension gibt es von mir trotzdem nicht, denn ich bin auf etwas viel Spannenderes gestoßen.
Wer sich schon mal bis in die Tiefen unserer „Über uns“-Seite verirrt hat, kennt den Zeitstrahl: vom ersten Herr-der-Ringe-Shop 2000 über den Einstieg in Harry Potter 2004 bis zu mehr als 30 Stores. Und mittendrin steht der 11. Februar 2005 unter der Überschrift „Die große Ablenkung“: der Europa-Start von World of Warcraft, von dem unsere Gründer völlig mitgerissen wurden. Sogar eine Randnotiz zu einem der Gründer hat es in die Firmengeschichte geschafft: Er hat fast ein Jahr bis zur Maximalstufe gebraucht.
Gemeint sind Alexander Lapeta, Dirk Wiedenhaupt und Jens Geppert, die Elbenwald im Jahr 2000 als Studenten gegründet haben. Dass Leute, die während ihrer Studienzeit einen Fantasy-Shop aus dem Boden gestampft haben, 2005 in Azeroth versanken, überrascht wenig. Wie tief genau, wollte ich wissen.
Das Interview: Alex, Dirk und Jens über ihre WoW-Anfänge
Ich habe Alex, Dirk und Jens sieben Fragen gestellt, von der Fraktionswahl bis zum peinlichsten Moment in Azeroth. Herausgekommen ist ein Mix aus Raid-Nostalgie, Wipes und Geschichten, die in keinem Karriereratgeber stehen.
Eine kleine Vorwarnung noch: Es wird bärtig. Und ziemlich laut, wenn es um die Frage nach dem besten Volk geht.
Gleich erfährst du, auf welcher Seite unsere Geschäftsführer stehen. In den Kommentaren darfst du zeigen, ob du mit ihnen kämpfst oder gegen sie.

Horde oder Allianz?
Alex: For the Alliance!
Dirk: Ganz klar Allianz! Und nur die Zwerge sind das wahre Volk! Aber im Ernst: Eigentlich habe ich alles mal probiert.
Jens: Ganz klar: Allianz!
Was habt ihr gespielt? Volk, Klasse, Rolle
Alex: Zwerg, Jäger, DD (Damage Dealer), Ingenieur.
Dirk: Am liebsten waren mir drei Charaktere, mit denen ich die meiste Zeit verbracht habe: ein Zwergen-Treffsicherheits-Jäger (war ideal als Raidleader), ein Zwergen-Priester (für kleinere Raids, wo ich mitgelaufen bin, und für Spaß in Dungeons) und ein Gnom-Frost-Magier fürs PvP (immer mitten rein!).
Jens: Eigentlich fast alles irgendwann mal. Mein Mainchar war aber ein Zwergen-Krieger. Der hat mich die meiste Zeit begleitet.
Wie viel habt ihr in der Hochsaison gespielt?
Alex: Circa 8 Stunden täglich.
Dirk: Ich habe keine Ahnung. Wir waren jeden Tag online. Bei einem damaligen 40er-Raid kam ja noch die ganze Zeit außerhalb des Spiels dazu. Wir waren etwa 70 Leute, um einen Raid vollzubekommen. Es hatte ja nicht immer jeder Zeit. Dazu die ganze Organisation (Raidpunkte, Forum usw.). Wir haben viel telefoniert, uns auch mehrfach IRL getroffen. War eine verrückte, schöne Zeit.
Jens: In der Hochsaison bestimmt um die 20 Stunden pro Woche. Wenn man das heute so sagt, klingt es schon ziemlich viel. Damals kam es einem irgendwie ganz normal vor.
Wie lange habt ihr bis Level 40 und zu den 100 Gold fürs erste Mount gebraucht?
Alex: Das weiß ich tatsächlich nicht mehr. Beim allerersten Mal sehr lange, bei Twink-Speedruns ging das aber an nem Wochenende.
Dirk: Kann ich nicht genau sagen, auf jeden Fall Monate. Es war für uns damals alles neu, wir hatten ja keine Ahnung, keine Anleitungen, keine Tutorials. Wir sind so häufig in High-Level-Gebieten gestorben, bis wir mitbekommen haben, dass wir da gar nicht hin mussten, sondern einfach woanders weiterleveln konnten. Wir hatten einen Kumpel, bei dem wir erst nach Wochen mitbekommen haben, dass er sich immer einen neuen Charakter gemacht hat, nachdem er bei einer Quest gestorben war.
Es war einfach ein unfassbar tolles Gefühl, weil alles neu und unbekannt war. Es gab noch unfassbar viele Rollenspieler, die mit ihren Charakteren ihre Rolle gespielt haben. Es war wunderschön. Das heutige typische Speed-Leveln gab es schlichtweg in der Anfangszeit noch nicht. Ich war erst nach einem Jahr auf Level 60 und habe erst dann entdeckt, dass es sowas wie Raids und noch größere Dungeons gab.
Jens: Ewig! Ich kann wirklich nicht mehr sagen, wie viele Monate das gedauert hat. Aber 100 Gold waren damals gefühlt ein Vermögen und das erste Mount entsprechend etwas ganz Besonderes.
Welcher Dungeon, Raid und welches Gebiet war euer Liebling?
Alex: Mein Lieblingsraid: der Schlangenschrein. Lady Vashj hatte eine so tolle Bossdynamik, da hatte ich immer mega Spaß dran. Mein Lieblingsdungeon: der Zul'Aman-Speedrun. Und bei den Gebieten habe ich mich tatsächlich rund um Ironforge immer am wohlsten gefühlt. Zwerg halt.
Dirk: Als Zwerg mag ich natürlich am meisten Dun Morogh mit den großen, hohen, schneebedeckten Bergen und mit dem beeindruckenden Eingang zu Ironforge.
Molten Core ist natürlich der Raid, der mich am meisten beeindruckt hat, ganz einfach, weil es mein erster Raid überhaupt war. Es war toll, damals Taktiken mit der Gruppe zu entwickeln, vor allem, wie man sie immer wieder anpassen musste, wenn sich die Gruppe veränderte. (War schon doof, wenn man keinen Fearschutz bei Magmadar hatte.)
Mein liebster Raid (eigentlich ein 10er-Dungeon) war aber Karazhan, obwohl ich Burning Crusade als Erweiterung nicht mochte. Die Mechanismen waren damals neu, der Turm hatte Flair und wir liebten alle das Schachspiel.
Jens: Molten Core ist für mich wahrscheinlich der Raid, an den ich mich am liebsten erinnere, vor allem natürlich Ragnaros. Das war damals einfach beeindruckend. Bei den Gebieten ist es etwas ganz anderes: Ich war unglaublich gerne in Nagrand und bin dort oft einfach angeln gegangen. Das war irgendwie der perfekte Gegenpol zu Dungeons und Raids.
Euer peinlichster Moment in Azeroth?
Alex: Ich war mir relativ sicher, dass es in den Bereichen, die man nicht auf dem „Landweg“ erreichen kann (vor den Flugmounts), bestimmt irgendwelche Easter Eggs oder Secrets gibt, und habe zumindest Kalimdor komplett umschwommen … und es dauert sehr, sehr viel länger, als man denkt. Tage …
Dirk: Da gab es viele. Wir haben alle aus Versehen irgendwelche Mobs gepullt und die ganze Gruppe zum Wipen gebracht. Aber meistens waren das die Situationen, über die man noch Wochen gelacht hat. Leeeroyyy!
Für mich am beeindruckendsten waren aber gar nicht die peinlichen Momente, sondern die, in denen man mit Freunden ausweglose Situationen gemeistert hat: ein Mob gesheept, ein Mob vom Priester eingesperrt, ein Mob in der Eisfalle, und man kämpft noch gegen drei weitere …
Jens: Da muss ich leider passen. Entweder gab es keinen – oder ich habe ihn erfolgreich verdrängt.
Zum Abschluss: Gibt es noch eine witzige Anekdote?
Alex: Was ich in sehr guter Erinnerung habe: Als Ingenieur brauchte man einen Beruf so ziemlich gar nicht: Angeln. Bis es dann doch mal Rezepte gab, die zwingend seelengebundene Angelgegenstände benötigten. Ich habe dann innerhalb von wenigen Tagen den Angelskill von fast 0 aufs Maximum gebracht und war dabei eigentlich immer angetrunken. Ich habe mir immer „Angelpartner“ gesucht und dann einfach Stunden gemeinsam an nem Angelspot gehockt, Bier getrunken, über Gott und die Welt gelabert, was einen Angelurlaub halt so ausmacht.
Dirk: Was mich persönlich lange beschäftigt hat, war die Jäger-Epic-Quest, die mit dem Blatt bei Majordomus startet. Ich habe wirklich Monate gebraucht, bis ich alle vier Dämonen down hatte. Und drei Wochen später war irgendein grünes Item aus Burning Crusade besser als mein schicker Bogen. *heul*
Jens: Was mir besonders in Erinnerung geblieben ist, sind die Leute. Wir haben uns mit einigen aus unserer Gilde sogar im echten Leben zu Gildentreffen getroffen. Das war schon ziemlich lustig: Plötzlich standen hinter den Charakteren, mit denen man unzählige Stunden verbracht hatte, echte Menschen. Und wenn ich auf die ganze Zeit zurückblicke: Ich bereue nichts!
Eure Worte an alle, die mit WoW: Forever zum ersten Mal spielen?
Dirk: Spielt mit echten Freunden! Hängt im Discord und genießt die Dungeons. Macht Blödsinn. Durch einen Dungeon zu rushen ist okay, aber daran werdet ihr euch nie erinnern. Die Belohnung ist nicht euer Level oder irgendein Item, sondern die Zeit, die ihr miteinander verbringt.
Jens: Man sollte alles in Maßen genießen – auch WoW. Aber man sollte sich auch die Zeit nehmen, die Welt zu entdecken und nicht nur möglichst schnell durch das Spiel zu kommen.
Und jetzt du: Horde oder Allianz?
Wie lange hast du bis zu deinem ersten Mount gebraucht, und was war dein peinlichster Moment in Azeroth? Wirst du World of Warcraft: Forever testen? Schreib es uns in die Kommentare!
Wenn du dich für den Start ausrüsten willst, findest du Fanartikel in unserem World-of-Warcraft-Sortiment – zum Beispiel T-Shirts für Horde und Allianz. Und wie aus drei Studenten Elbenwald wurde, erfährst du auf unserer Über-uns-Seite.
Wer Fantasy nicht nur online, sondern auch im echten Leben feiert, ist bei uns übrigens in bester Gesellschaft: Schon 2006 luden die drei zum ersten Elbenwald Spektakel auf Burg Bilstein, mit 210 Fantasy-Fans, Cosplays und einer von Alex entwickelten Echtwelt-Quidditch-Variante. Der Quasi-Nachfolger heißt heute Elbenwald Festival.
0 Kommentare