Prize Figure, Scale, Nendoroid: Warum kostet die eine Figur 20 Euro und die andere 250?

Prize Figure, Scale, Nendoroid: Warum kostet die eine Figur 20 Euro und die andere 250?

Neulich stand ein Kunde bei uns im Laden vor dem Figurenregal und hat zwei Packungen hochgehalten. Beide zeigten dieselbe Figur, dieselbe Pose ungefähr, beide sahen gut aus. Die eine kostete 24,95 Euro, die andere 219 Euro. Seine Frage war völlig berechtigt: "Und was genau mache ich jetzt hier falsch?"

Nichts. Aber der Unterschied zwischen den beiden ist größer, als man von außen sieht, und er hat weniger mit Qualität zu tun, als man denkt. Ich versuche das hier mal auseinanderzunehmen, damit du beim nächsten Mal weißt, was du eigentlich in der Hand hältst.

Prize Figures: die Automaten-Connection

Wenn du eine Figur für 20 bis 40 Euro siehst, sauber bemalt, ungefähr 15 bis 20 Zentimeter groß, unbeweglich, dann hältst du mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Prize Figure in der Hand. Hersteller sind meistens Banpresto, Furyu oder Sega.

Und jetzt der Teil, den die meisten nicht wissen: Diese Figuren waren in Japan nie für den Ladenverkauf gedacht. Es sind Preise aus Greifautomaten. Du kennst diese Dinger aus jedem japanischen Spielhallen-Video, die sogenannten UFO-Catcher. Da hängen keine Plüschbälle drin, sondern richtige Figuren. Wer die Kralle im Griff hat, geht mit einer nach Hause.

Deshalb sind sie günstig. Sie werden in riesigen Stückzahlen produziert, sie sind auf einen schnellen, guten ersten Eindruck hin gebaut, und sie müssen nicht dem Detailanspruch eines 200-Euro-Sammlerstücks genügen. Nach Europa kommen sie über Importeure, deswegen steht auf der Packung oft "Not for sale in Japan".

Heißt das, sie sind schlecht? Absolut nicht. Die Prize Figures der letzten Jahre sind erschreckend gut geworden. Für 25 Euro bekommst du eine Figur, die im Regal aus zwei Metern Entfernung neben einer dreimal so teuren steht und sich nicht schämen muss. Was du nicht bekommst: perfekte Übergänge an den Farbkanten, feine Haarsträhnen, aufwendige Basen. Schau dir Gesichter und Hände genau an, da siehst du den Unterschied zuerst.

Wenn du anfängst zu sammeln: Fang hier an. Wirklich.

Scale Figures: was 1/7 eigentlich bedeutet

Bei den teuren Stücken steht meistens so etwas wie 1/7 oder 1/8 oder 1/4 auf der Packung. Das ist kein Produktname, das ist eine Rechenaufgabe.

Die Zahl gibt an, in welchem Maßstab die Figur zur Körpergröße des Charakters steht. Ein Charakter, der in seiner Geschichte 1,75 Meter groß ist, wird als 1/7-Figur also rund 25 Zentimeter hoch. Derselbe Charakter als 1/4 wäre schon bei etwa 44 Zentimetern, und dann reden wir über ein Objekt, für das du im Regal ernsthaft umräumen musst.

Das ist übrigens auch der Grund, warum zwei 1/7-Figuren nebeneinander unterschiedlich groß sein können. Wenn der eine Charakter 1,60 Meter misst und der andere 1,90 Meter, sieht man das. Das ist kein Fehler, das ist genau der Punkt.

Scale Figures von Herstellern wie Kotobukiya oder Good Smile werden von namentlich genannten Bildhauern entworfen, in kleineren Auflagen produziert und oft ein knappes Jahr im Voraus angekündigt. Da steckt Handarbeit in der Vorlage, und das siehst du an den Stellen, an denen die Prize Figure abwinkt: an den Fingern, an den Augen, an den fliegenden Stoffen, an der Basis unter den Füßen.

Ob dir das 200 Euro wert ist, kann dir niemand abnehmen. Aber du weißt jetzt, wofür du sie bezahlst.

Nendoroid oder figma? Ein Hersteller, zwei Systeme

Good Smile Company baut zwei Dinge, die man gerne verwechselt.

Ein Nendoroid ist ungefähr zehn Zentimeter groß, hat einen absichtlich zu großen Kopf und wird mit einer Tüte voller Austauschteile geliefert. Andere Gesichter, andere Hände, andere Accessoires. Du baust dir damit die Szene, die du willst, und morgen baust du eine andere. Das ist das Spielzeug unter den Sammlerfiguren, im allerbesten Sinne. Preislich meistens zwischen 55 und 90 Euro.

Ein figma ist ungefähr gleich groß, aber in normalen Proportionen und voll beweglich, mit Gelenken an allen sinnvollen Stellen. Wer Posen stellen und fotografieren will, nimmt das.

Kleiner Praxishinweis zu Nendoroids: Das Zubehör ist winzig. Heb die Innenverpackung auf. Ich sage das aus Erfahrung, und ich habe immer noch nicht alle Hände wiedergefunden.

Funko spielt sein eigenes Spiel

Funko Pops folgen einer komplett anderen Logik. Immer dieselbe Größe, immer derselbe Stil, immer dieselben schwarzen Augen, und zwar egal ob Goku, Gandalf oder ein Mitglied einer Boyband. Jede Figur hat eine Nummer auf der Box.

Genau das ist der Reiz. Es geht nicht um das einzelne Stück, es geht um die Wand. Zwanzig Pops nebeneinander ergeben ein Bild, das keine einzelne Scale Figure hinbekommt. Und der Preis pro Stück ist niedrig genug, dass du Sammler wirst, ohne es gemerkt zu haben.

Wer maximale Detailtreue sucht, ist hier falsch. Wer sammelt, weil Sammeln Spaß macht, ist genau richtig.

Der günstige Einstieg: Acrylstands und Blind Boxes

Zwei Formate, die gerade überall auftauchen.

Acrylstands sind bedruckte Acrylplatten in einem kleinen Fuß. Flach, leicht, oft unter 15 Euro, und sie brauchen fast keinen Platz. Für den Schreibtisch oder das Bücherregal, wo eine echte Figur nicht hinpasst, sind sie ideal. In Japan ist das längst Standard, bei uns kommt es gerade erst an.

Blind Boxes verkaufen dir absichtlich die Katze im Sack. Du weißt, welche Serie drin ist, aber nicht welche Figur. Meistens gibt es eine seltene Variante, die statistisch selten auftaucht. Das ist unterhaltsam, solange du es als Überraschung kaufst. Wenn du eine ganz bestimmte Figur haben willst, kauf sie einzeln. Die Mathematik ist hier nicht auf deiner Seite, und das ist so gewollt.

Was dir vor dem ersten Kauf keiner sagt

Sonne ist der Feind. UV-Licht lässt weißen Kunststoff mit der Zeit gelb werden, und das geht nicht mehr weg. Ein Regal gegenüber vom Fenster sieht schön aus und kostet dich in drei Jahren eine Figur.

Staub sammelt sich in Falten. Ein weicher Make-up-Pinsel ist das beste Werkzeug dafür. Kein Wasser, kein Reiniger, kein Druckluftspray aus nächster Nähe.

Vorbestellungen sind kein Kauf von morgen. Bei Figuren, die direkt aus Japan kommen, liegen zwischen Ankündigung und Auslieferung häufig acht bis vierzehn Monate, und Termine verschieben sich. Das ist in der Branche normal und kein Grund zur Panik, aber du solltest es wissen, bevor du bestellst. Wie das bei uns läuft, steht in der Vorbesteller-Info.

Fälschungen gibt es reichlich. Woran du sie erkennst: Der Preis ist deutlich zu gut. Die Bemalung wirkt auf Produktfotos verwaschen, besonders an den Augen. Die Verpackung hat kein Lizenzsiegel und keine Herstellerangabe. Bei uns bekommst du ausschließlich offiziell lizenzierte Ware, aber auf Marktplätzen und in Kleinanzeigen solltest du zweimal hinsehen.

Miss dein Regal aus. Im Ernst. Eine 1/4-Figur ist keine Dekoidee, das ist ein Möbelstück. Und die Verpackung willst du vermutlich auch aufheben.

Und was soll ich jetzt kaufen?

Meine unaufgeforderte Meinung nach reichlich Jahren Regalorganisation:

Kauf deine erste Figur nicht als Investition. Der Gebrauchtmarkt für Figuren ist launisch, und für jede Figur, die im Wert steigt, gibt es fünfzig, die einfach nur schön im Regal stehen. Das ist auch völlig in Ordnung. Aber wenn dir jemand erzählt, dass sich das schon rentieren wird, dann glaub ihm nicht.

Kauf die Figur, bei der du am Regal stehenbleibst. Nicht die vom Charakter, der gerade am beliebtesten ist, sondern die von dem, der dir bei der Serie etwas bedeutet hat. Die schaust du in fünf Jahren noch gern an.

Und wenn du unsicher bist, ob dir die Größe reicht oder die Details wirklich so gut sind, wie sie auf dem Foto aussehen: Komm vorbei. In einem unserer Stores kannst du die Dinger von allen Seiten anschauen, und das ersetzt zehn Produktbilder.

Wenn du Lust auf mehr Detailwissen hast, schau mal in unseren Zauberstab-Guide oder in die Übersicht der beliebtesten Sanrio-Characters. Und falls du gerade erst anfängst: Die komplette Auswahl findest du bei den Figuren.

Viel Spaß beim Umräumen. Du wirst umräumen müssen.

Autor

Dirk

Dirk

Ich bin einer der Gründer von Elbenwald und heute Geschäftsführer. Was mir an dem Job am meisten gefällt: Man hat dabei mit Leuten zu tun, die sich für dieselben Sachen begeistern wie man selbst. Gelesen wird bei mir übrigens auf Papier, das stapelt sich entsprechend. Gebaut wird Lego, zuletzt Bruchtal, zusammen mit meiner jüngsten Tochter, und das steht seitdem direkt an meinem Arbeitsplatz. World of Warcraft war früher mal ein größerer Teil meines Lebens, als ich zugeben möchte. Wenn ich hier über ein Thema schreibe, habe ich es vorher meistens deutlich gründlicher angeschaut, als nötig gewesen wäre.

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